Michael Herrmann über die Arbeit bei TenneT

Dualer Student | Bachelor of Engineering Elektrotechnik (Energietechnik)

Wie ist Ihr dualer Studiengang aufgebaut?


Die gesamte Ausbildungsdauer (Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik inklusive Studium der Elektrotechnik) beträgt 5 Jahre, wobei man die ersten 1,5 Jahre gemeinsam mit den übrigen Azubis die Ausbildung im Betrieb beginnt. Dabei folgen nach Erlernen der Grundlagen in der Ausbildungswerkstatt bereits die ersten Servicegruppeneinsätze, bei denen man "vor Ort" mithelfen darf und einen guten Einblick in die täglichen Aufgaben der Servicegruppenmitarbeiter bekommt. Am Ende der 1,5 Jahre steht die Abschlussprüfung Teil 1 (Zwischenprüfung) an. Direkt im Anschluss beginnt das Vollzeitstudium an der Hoch-schule Hannover. Dieses dauert 7 Semester, wobei die ersten drei das Grundstudium, die folgenden drei die Vertiefungsrichtung und das letzte die Bachelor-Arbeit beinhalten, welche im Betrieb verfasst wird. Praxiserfahrung sammelt man während der Studienzeit nur noch in den vorlesungsfreien Zeiten; die Abschlussprüfung der Ausbildung findet im 3./4. Studiensemester statt.

Was ist das Besondere an Ihrem dualen Studium bei TenneT verglichen mit einem regulären Energie-technik-Studium?


Aufgrund der bereits vor Studienbeginn gesammelten Eindrücke von den einzelnen Abteilungen und deren Tätigkeiten fällt es im Studium leichter den Praxisbezug der Vorlesungen zu erkennen. Dieses Hintergrundwissen festigt einerseits noch einmal das Verständnis der Ausbildungsinhalte, lässt sich aber mit Vorwissen gleichzeitig leichter verstehen.

Welche theoretischen Ausbildungsinhalte haben Sie an der Berufsschule gelernt, und wie ist der Unterricht aufgebaut?


Der Berufsschulunterricht findet während der Zeit im Betrieb als regelmäßiger Wochenblock statt. Nach dem Wechsel an die Hochschule erfolgen im dritten und vierten Semester an einzelnen Nachmittagen weitere Berufsschulbesuche, wobei alle Stunden an der bbs me in Hannover stattfinden und nur die Termine des vierten Semesters nach Neustadt am Rübenberge ausgelagert sind. Inhaltlich orientiert sich der Unterricht sehr an der Ausbildung, sodass der Stoff meistens parallel vermittelt wird.

Welche theoretischen Inhalte haben Sie an der Hochschule Hannover gelernt, und wie ist dort das Lernklima?


An der Hochschule erfolgt in den ersten drei Semestern die Einführung in die Elektrotechnik mit Grundlagen-fächern aus dem technischen und wirtschaftlichen Bereich. Im Anschluss vertiefen die Vorlesungen spezielle Aufgaben- und Problemstellungen aus der weiter gefassten Energietechnik, beispielsweise die Berechnung von Stromnetzen, den Aufbau von Schaltgeräten in Umspannwerken und die Erzeugung von Energie in Kraftwerken. Auf dem Campus selbst lässt sich auch in größeren Gruppen gut lernen, jedoch empfehlen sich gerade in der Klausurenphase am Ende des Semesters private Lerngruppen, da nicht genügend Hochschulräume zur Verfügung stehen.

Wie ist Ihre betriebliche Ausbildung bei TenneT gestaltet bzw. organisiert?


An das Erlernen der Grundlagen der Metallbearbeitung und den Aufbau verschiedener Schaltungen aus der Elektroinstallation in der Ausbildungswerkstatt knüpfen direkt alltägliche Berufstätigkeiten an. Für den jeweiligen Zeitraum von ca. vier Wochen unterstützt man die Mitarbeiter vor Ort, wobei von Einsätzen in Umspannwerken am Ausbildungsstandort in Lehrte bis hin nach Kiel oder Lübeck vieles möglich ist. Auch hat mir gefallen, dass einige der Einsätze gemeinsam mit den anderen Azubis stattfinden und es somit abends nicht langweilig wird.

In welche Projektarbeiten waren Sie bisher bei TenneT eingebunden?


Die Bandbreite der Projektthemen spiegelt die verschiedenen Bereiche wieder, welche ich alle kennenlernen durfte. Dazu gehören u. a. Transformatorprüfungen, Revisionen von Bauteilen in Umspannwerken, Aufbau von Schaltschränken für verschiedene Standorte, Beklettern von Strommasten aber auch die Fehlersuche an Bestandsanlagen sowie theoretische Überlegungen zu Belastungen von Freileitungen durch Eis und Wind.

Welche Angebote bietet TenneT außerhalb des normalen Ausbildungsplanes?


Regelmäßige Sicherheitsunterweisungen und Erste-Hilfe-Kurse sind Pflicht; daneben finden auch immer wieder Abteilungsveranstaltungen sowie ein jährliches Betriebsfest und eine Azubi-Fahrt statt. Außerdem existieren zusätzlich noch freiwillige Sport- und Massageangebote.

Was waren bisher die "Highlights" Ihrer Ausbildungs-/Studienzeit?


Für mich zählen dazu besonders die Betriebseinsätze außerhalb der Region Hannover, da man weit herum-kommt und viel sieht. Außerdem noch die mit den Lernenden aller Standorte gemeinsam veranstalteten Azubi-Fahrten, auf welchen man sich auch mit denjenigen austauschen kann, die im Berufsalltag an einem anderen Standort arbeiten.

Welche Voraussetzungen sollte ein dualer Student mitbringen?


Wichtig ist vor allem das Interesse an den Tätigkeiten der Firma und an der Elektrotechnik, damit die Motivation stimmt. Die Mitarbeiter der einzelnen Abteilungen sind allesamt sehr nett und erwarten dies natürlich auch von den Azubis. In der Klausurenphase, wenn es auf das Lernen auf mehrere Prüfungen gleichzeitig ankommt, ist nicht nur die sinnvolle Einteilung der verbleibenden Tage, sondern auch eine gute Vorbereitung während des Semesters von großem Vorteil.

Welche Vorteile sehen Sie für TenneT duale Studiengänge anzubieten?

Die Firma bildet mit diesem Konzept Schulabgänger aus, welche anschließend einen Hochschulabschluss besitzen und gleichzeitig bereits mit der Organisation und den Abläufen im Unternehmen vertraut sind. Mit der verkürzten Anlernphase ist ein schnellerer Berufseinstieg möglich; außerdem kennen die künftigen Ingenieure die sich vor Ort ergebenden Schwierigkeiten besser. Umgekehrt haben die Auslerner bereits viele Abteilungen besucht und können auf dieser Grundlage entscheiden, welche Richtung ihnen zusagt. Auf die-se Weise kann das Unternehmen künftige Fachkräfte binden und ihnen die Chance geben, den Berufsalltag vom ersten Tag der Ausbildung an kennenzulernen.

Inwiefern haben Sie sich persönlich gerade durch das duale Studium weiterentwickelt?


Für mich hat der Ausbildungsbeginn bei TenneT den Umzug von Bayern nach Niedersachsen bedeutet. Es war ein tolles Gefühl, endlich finanziell unabhängig zu sein, eine eigene Wohnung zu haben und gleichzeitig bei einem Arbeitgeber tätig zu sein, der großes Vertrauen in seine Azubis setzt. Das Führen von Dienstfahr-zeugen, das selbstständige Arbeiten in den Umspannwerken und die Vielzahl neuer Kontakte haben mich wirklich weitergebracht.

Wie geht es nach dem Studium für Sie weiter?


Sofern die Firma das unterstützt, habe ich vor, ab September mit dem Master anzuknüpfen. Auf jeden Fall möchte ich bei TenneT bleiben, da das Arbeitsklima wirklich hervorragend ist.

Ein abschließendes Statement...?


Letztlich würde ich mich, wenn ich die Wahl hätte, jederzeit wieder für ein duales Studium entscheiden. Die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis ist wirklich sehr gut, wobei die Umsetzung von TenneT auch großen Anteil daran hat.