Kristin Menschel über die Arbeit bei TenneT

Duale Studentin | Bachelor of Arts Betriebswirtschaft (Energiewirtschaft)

Wie ist Ihr dualer Studiengang aufgebaut?

Das duale Studium zeichnet sich durch den Wechsel von Theorie- und Praxisphasen aus. Ich gehe also im dreimonatigen Wechsel zur Arbeit ins Unternehmen oder zur Hochschule nach Hameln. Insgesamt dauert das duale Studium drei Jahre und schließt mit dem Abschluss Bachelor of Arts ab.

Was ist das Besondere an einem dualen Studium verglichen mit einem regulären BWL-Studium?

Im Gegensatz zum regulären BWL-Studium wird sehr praxisnah gearbeitet. Viele Dozenten kommen direkt aus der Wirtschaft und arbeiten in großen Unternehmen. Sie plaudern gerne mal aus dem Nähkästchen und gestalten die Vorlesung spannend und abwechslungsreich. Dann ist natürlich der hohe Praxisbezug nicht zu vergessen, den man aus seinen Einsätzen im Unternehmen gewinnt. Natürlich ist auch die Aussicht auf einen Arbeitsplatz sowie das Geldverdienen während des Studiums nicht außer Acht zu lassen.

Welche theoretischen Inhalte lernen Sie an der Hochschule Weserbergland, und wie ist dort das Lernklima?

In der HSW sind wir hauptsächlich duale Studenten und in verschiedene Gruppen aufgeteilt. In meiner Gruppe sind wir 22 Studierende und kommen alle aus der Energiewirtschaft. Das Lernen in der Gruppe unterscheidet sich also gar nicht groß von der Schule. Der Vorteil ist, dass wir während der Vorlesung Fragen stellen und auch mit dem Dozenten diskutieren können. So kann die Vorlesung von den Studenten aktiv mitgestaltet werden. Unsere Fächer bestehen zum einen aus betriebswirtschaftlichen Themen, also Rechnungswesen, Unternehmensführung oder Projektmanagement und zum anderen aus energiewirtschaftlichen Themen. Dort betrachten wir die Energiewirtschaft aus kaufmännischer und technischer Sicht und haben Fächer wie Energiemärkte, Energieerzeugung oder Marketing von Energiedienstleistungen. In jedem Semester finden Gruppenarbeiten statt, die eine Abwechslung zum normalen Lern-Alltag bieten. Im ersten Semester ist eine Fallstudie zur Standortverlagerung eines Unternehmens anzufertigen, die gleichzeitig als Einarbeitung ins wissenschaftliche Arbeiten dient. Es folgen die Ausarbeitung eines Finanzplans oder die Teilnahme an einem Wirtschaftsplanspiel, bei dem wir ein fiktives Unternehmen vom Materialeinkauf und der Produktionsplanung bis hin zum Einsatz der Marketingmittel steuern. Besonders hervorzuheben ist das fünfte Semester, denn es beginnen die Wahlpflichtfächer und die Projekte. Gegen Ende des vierten Semesters können wir nämlich ein Wahlpflichtfach aus den Bereichen wie Personal, Controlling oder Marketing auswählen und unseren Schwerpunkt nach eignen Vorlieben gestalten. Bei den Projekten handelt es sich um echte Projekte von Unternehmen oder Organisationen, die exklusiv an die HSW vergeben und von den Studierenden verwirklicht werden. Im Laufe des fünften und sechsten Semesters wird das Projekt ausgearbeitet und bei einer Abschlusspräsentation den Auftraggebern vorgestellt. Nach jedem Semester fertigen wir einen sogenannten Praxis- oder Fachbericht mit einem Umfang von 10 bis 15 Seiten an. Das Thema suchen wir uns selbstständig aus und können so über jeden Bereich schreiben, der uns interessiert und in dem man sein Wissen vertiefen möchte. Dieses Thema wird zunächst theoretisch erläutert, also durch geeignete Literatur und anschließend aus der Sicht unseres Unternehmens durchleuchtet. Die Anfertigung dieser Berichte ist eine optimale Vorbereitung auf die Bachelor-Thesis im sechsten und letzten Semester. Grob gesagt ist diese nur ein umfangreicherer Praxis- oder Fachbericht. Die HSW liegt nicht weit von der Innenstadt von Hameln entfernt. In der Mittagspause kann man sich entweder sein Essen in einer der Küchen zubereiten oder in wenigen Minuten in der Stadt sein. Bei gutem Wetter macht es besonders viel Spaß die Mittagspause direkt am Ufer der Weser zu verbringen, denn die fließt unmittelbar an der Hochschule vorbei. In der HSW sind in jedem Stockwerk Computer für die Studenten und genügend Sitzmöglichkeiten, um seine Gruppenarbeiten zu besprechen. Die Ausstattung ist sehr schön und hochwertig, und während der Vorlesung sitzen wir auf Schreibtischstühlen,wie auf der Arbeit.

Wie sind die Praxiseinsätze bei TenneT gestaltet?

Während der ersten 1,5 Jahre sind wir in unserem Betriebszentrum in Lehrte bei Hannover eingesetzt und durchlaufen die Abteilungen Rechnungswesen, Personal und Einkauf. Dort lernen wir das operative Geschäft und die Aufgaben des Übertragungsnetzbetreibers kennen. Besonders spannend sind die ersten zwei Monate, denn wir fahren mit unseren Servicetechnikern quer durch Norddeutschland zu unseren Umspannwerken. Beim Einsatz in der Schaltleitung, sitzen wir im Herz eines Übertragungsnetzbetreibers, denn von dort aus wird unser gesamtes Netz gesteuert. Läuft hier etwas schief, wären die Auswirkungen in ganz Europa zu spüren. Die letzten 1,5 Jahre des Studiums verbringen wir in der Unternehmensleitung in Bayreuth. Hier organisieren wir unsere Praxisphasen selbst und können eigenständig entscheiden, welche Abteilungen wir gerne näher kennenlernen möchten. Ich war beispielweise in unserem Regulierungsmanagement eingesetzt und konnte viel über die gesetzlichen Regelungen eines Übertragungsnetzbetreibers lernen. In welche Projektarbeiten waren Sie bisher bei TenneT eingebunden? Wir Azubis organisieren eigenständig sogenannte CR-Projekte (Corporate Responsibility), zu denen zum Beispiel Bewerbungstrainings an verschiedenen Schulen zählen. Dort geben wir den Schülern Tipps beim Schreiben der Bewerbungen und der richtigen Vorbereitung auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche. Im letzten Jahr war ich verantwortlich für die Durchführung eines Wirtschaftsplanspiels an einer Realschule, welches wir Azubis eigenständig entworfen und entwickelt haben. Neben der Organisation der Besuche von Kollegen und Azubis gehörten auch Treffen mit den Lehrern dazu, um Wünsche und neue Ideen ins Planspiel zu integrieren. Welche Angebote bietet TenneT außerhalb des normalen Ausbildungsplanes? Ein besonderes Highlight ist die dreitätige Azubifahrt mit allen kaufmännischen und technischen Azubis im Sommer. Das sind mittlerweile über 70 junge Leute. In den letzten Jahren ging es nach Leipzig und Frankfurt. Auf dem Programm stand z. B. die Besichtigung eines Kohlekraftwerkes oder der Besuch bei der Frankfurter Börse. Des Weiteren können wir nach Bedarf an Seminaren teilnehmen und uns zum Beispiel in Excel weiterbilden. Besonders hervorzuheben ist die Übernahme aller Kosten für Bücher, die für die Hochschule benötigt werden, denn vor allem die energiewirtschaftlichen Bücher können sehr teuer sein. Neben der täglichen Arbeit während der Praxisphase im Unternehmen, können wir an unseren Azubi- Projekten arbeiten und sie eigenverantwortlich organisieren. Die Teilnahme an Ausbildungsmessen und an Bewerbertagen stellt ebenfalls eine schöne Abwechslung dar. Organisatorisch sind die dualen Studenten dem Team der kaufmännischen Auszubildenden zugeordnet. Welche Vorteile hat dies für Sie? In regelmäßigen Abständen fahren wir gemeinsam zu Azubi-Besprechungen nach Würzburg. Dort halten wir Präsentationen zu beliebigen Themen und feilen an unserer Präsentationstechnik Da wir alle von unterschiedlichen Standorten kommen, ist es immer wieder schön alle Azubis wiederzutreffen. So stehen wir immer im regelmäßigen Kontakt und können gegenseitig Erfahrungen austauschen. Was waren bisher die "Highlights" Ihrer Ausbildungs-/Studienzeit? Besonders gut gefallen haben mir unsere Workshops in Goslar, wo wir mit Spiel und Spaß an unseren Fähigkeiten in Konfliktlösung oder im Präsentieren arbeiten. Ein weiterer Höhepunkt sind auf jeden Fall die jährlichen Azubi-Fahrten, denn das Programm ist jedes Mal sehr abwechslungsreich und bringt uns alle als Team näher zusammen. Welche Voraussetzungen sollte ein dualer Student mitbringen? Als dualer Student sollte man Spaß an der Praxis haben, denn die nimmt während des dualen Studiums einen großen Teil ein. Eigenständigkeit und Selbstorganisation sollten ebenfalls nicht fehlen. Im Unternehmen ist ein gesundes Selbstbewusstsein von Vorteil, um auf Kollegen zugehen zu können und sich in den kurzen Praxisphasen in den Teams zu integrieren. Die Lernphasen und das Anfertigen der Berichte können stressig werden, weshalb es wichtig ist einen kühlen Kopf bewahren zu können.

Welche Vorteile sehen Sie für TenneT duale Studiengänge anzubieten?

Der große Vorteil für TenneT ist, dass die Studenten das Unternehmen bereits sehr genau kennen, wenn sie ihren Job beginnen. Durch unsere Einsätze in verschiedenen Abteilungen haben wir einen umfassenden Überblick über die Aufgaben von TenneT und können dieses Wissen bei der täglichen Arbeit anwenden.

Inwiefern haben Sie sich persönlich gerade durch das duale Studium weiterentwickelt?

Durch das duale Studium bin ich viel selbstständiger geworden und habe keine Scheu mehr vor der Arbeitswelt, wie ich sie direkt nach der Schule hatte. Außerdem ist meine eigene Organisation von Zeit und Aufgaben viel besser geworden.

Wie geht es nach dem Studium für Sie weiter?

Im Juli 2015 werde ich mein Studium beenden und bleibe bei TenneT. Ich habe einen spannenden Job in unserem Offshore-Team als Betriebskoordinatorin bekommen.

Ein abschließendes Statement...?

Ich würde mich immer wieder für ein duales Studium entscheiden und möchte meine Zeit bei TenneT nicht missen.