Jan Klages über die Arbeit bei TenneT

Auszubildender | Bachelor of Engineering Elektrotechnik (Energietechnik)

Wie ist Ihr dualer Studiengang aufgebaut?

Das duale Studium erstreckt sich insgesamt über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren. Es werden ein IHK-Abschluss zum Elektroniker für Betriebstechnik und ein Hochschulabschluss zum Bachelor of Engineering angestrebt. Die ersten anderthalb Jahre werden in der technischen Ausbildung in Lehrte verbracht. In dieser Zeit erhält man zunächst eine ca. 9-monatige elektrotechnische Grundausbildung. Anschließend wird man in verschiedenen Servicegruppen eingesetzt, um deren Arbeit in den Umspannwerken und an den Leitungen kennenzulernen. Während dieser anderthalb Jahre wird alle drei bis vier Wochen eine Woche lang die Berufsschule besucht. Die Grundausbildung und die Berufsschulwochen verbringt man gemeinsam mit seinem Ausbildungsjahr. Das sind fünf bis acht Azubis. Nach diesem Abschnitt erfolgt die Abschlussprüfung Teil 1 der Berufsausbildung, und das Studium an der Hochschule Hannover wird aufgenommen. Am regulären Berufsschulunterricht wird nicht mehr teilgenommen. Das Bachelorstudium besteht aus sieben Semestern: Das Grundstudium nimmt drei Semester ein, anschließend folgen drei weitere Semester Hauptstudium in der Vertiefung Energieversorgung, und abgeschlossen wird das Studium mit einem Anwendungssemester, das aus zehn Wochen Praxisphase und drei Monaten Bachelorarbeit besteht. Bis zum vierten Semester werden die Semesterferien in der Ausbildung verbracht, um die für die Abschlussprüfung Teil 2 notwendigen Inhalte zu erlernen. Zu diesem Zweck findet auch während des dritten und vierten Semesters ein Berufsschulnachmittag pro Woche extra für duale Studenten statt. Nach bestandener Teil 2-Prüfung, die am Ende des 4. Semesters stattfindet, darf man sich "Elektroniker für Betriebstechnik" nennen. Zu diesem Zeitpunkt liegen dreieinhalb Jahre duales Studium hinter einem. In den Semesterferien nach dem vierten und fünften Semester geht es dann darum die Arbeit eines Ingenieurs bei TenneT näher kennenzulernen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird man in der Abteilung eingesetzt, in welcher man im siebten Semester auch die Bachelorarbeit verfasst. Diese Zeiten können von der Hochschule als Praxisphase anerkannt werden, sodass direkt im Anschluss an das 6. Semester mit der Bachelorarbeit begonnen werden kann.Was ist das Besondere an Ihrem dualen Studium bei TenneT verglichen mit einem regulären Energietechnik-Studium?In einem dualen Studium werden deutlich mehr praktische Erfahrungen gesammelt, als das in dem regulären Studiengang möglich ist. Gerade ab dem vierten Semester in der Vertiefung Energieversorgung lassen sich viele Verbindungen zwischen Studium und Ausbildung ziehen. Zu einigen Betriebsmitteln, die man in der Hochschule zu berechnen lernt, hat man gleich ein Bild aus der Praxis vor Augen. Zudem bekommt man schneller ein realistisches Bild davon, was einen Ingenieur bei einem Energieversorger ausmacht, z. B. dass neben den in der Hochschule erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten viel Erfahrung nötig ist.

Welche theoretischen Ausbildungsinhalte haben Sie an der Berufsschule gelernt, und wie ist der Unterricht aufgebaut?

In der Berufsschule gibt es nicht mehr die typischen Fächer aus der Schule. Stattdessen wird der Ausbildungsinhalt in sogenannten Lernfeldern vermittelt, wie z. B. "Elektrische Installationen planen und ausführen". Der Unterricht ist dabei sehr anwendungsorientiert. Es gibt also immer eine Problemstellung, an der man beispielhaft theoretische Inhalte erarbeitet. Auch auf kundenorientiertes Denken wird Wert gelegt. Im Speziellen lernt man z. B. das Programmieren von Kleinsteuerungen sowie das Auswählen der richtigen Leitungen und Schutzeinrichtungen für eine elektrische Installation.

Welche theoretischen Inhalte haben Sie an der Hochschule Hannover gelernt, und wie ist dort das Lernklima?

Im Grundstudium werden mathematische, physikalische und elektrotechnische Grundlagen vermittelt. Auch Vorlesungen zur Informatik und Programmiersprachen sind zu belegen. Im Hauptstudium lernt man dann z. B. den Aufbau der Energieversorgung in Deutschland und die dafür notwendigen Betriebsmittel kennen sowie Möglichkeiten diese elektrotechnisch zu modellieren. Weitere Vorlesungen und Labore beschäftigen sich z. B. mit Antrieben, Regelungstechnik und Hochspannungstechnik. Im Grundstudium befinden sich 20 bis 50 Studenten in einer Vorlesung, im Hauptstudium im Schnitt weniger, ca. 10 bis 30 Studenten. Diese recht geringe Anzahl sorgt in den meisten Vorlesungen für ein angenehmes Lernklima. Für die Vorbereitung auf Prüfungen haben wir uns immer in Lerngruppen zusammengetan, was oft sehr hilfreich war. In der Hochschule gibt es die Möglichkeit entweder in der Bibliothek zu lernen oder auf den Fluren an extra dafür vorgesehen Sitzgruppen.

Wie ist Ihre betriebliche Ausbildung bei TenneT gestaltet bzw. organisiert?

Für die betriebliche Ausbildung in Lehrte waren bei mir zwei Ausbilder zuständig. Inzwischen sind es drei. Von ihnen werden in der Ausbildungswerkstatt die theoretischen und handwerklichen elektrotechnischen Grundlagen vermittelt. Anschließend organisieren die Ausbilder Einsätze in den Servicegruppen. Später vermitteln sie bei der Suche nach einer Abteilung für die Bachelorarbeit. Auch während des Studiums sind sie ständige Ansprechpartner.

In welche Projektarbeiten waren Sie bisher bei TenneT eingebunden?

In der Ausbildungswerkstatt haben wir Schaltschränke für Umspannwerke aufgebaut und verdrahtet. Außerdem habe ich in der Ausbildung eine Umschaltautomatik für den Eigenbedarf eines Umspannwerkes in einer Kleinsteuerung programmiert. Für die Nachrichtentechnik, die dabei ist für TenneT ist ein eigenes Nachrichtennetz aufzubauen, habe ich eine tabellarische Übersicht für Signalverbindungen erstellt.Welche Angebote bietet TenneT außerhalb des normalen Ausbildungsplanes?Eine Einführungswoche in Goslar direkt zu Beginn der Ausbildung. Diese dient dazu die anderen Auszubildenden des Ausbildungsjahres kennenzulernen; jedes Jahr eine dreitägige Azubi-Fahrt mit allen Auszubildenden, ein Fahrsicherheitstraining, Betriebsausflüge, Sportangebote.Was waren bisher die "Highlights" Ihrer Ausbildungs-/Studienzeit?Die Einführungswoche in Goslar und die jährlichen Azubi-Fahrten. Weitere Highlights gab es in der Zeit, als ich mit den Servicegruppen unterwegs war, z. B. die Anlieferung eines Transformators per Schwertransport oder das Hinaufklettern auf einen Höchstspannungsmast. Im Studium waren die Laborversuche im Hochspannungslabor und die Vorlesungen, welche direkt die Energieversorgung betrafen, besonders interessant. Aber auch die eine oder andere Studentenparty war gelungen.

Welche Voraussetzungen sollte ein dualer Student mitbringen?

Ein dualer Student sollte sowohl Interesse an theoretischen Grundlagen, wie auch an praktischen Problemstellungen haben. Zudem ist es erforderlich sich in Zeiten mit besonderer Belastung durch Prüfungen immer wieder motivieren zu können. Gemeint ist vor allem das vierte Semester, indem neben den Hochschulprüfungen auch die Abschlussprüfung Teil 2

Welche Vorteile sehen Sie für TenneT duale Studiengänge anzubieten?

Hat ein dualer Student sein duales Studium bei TenneT abgeschlossen, bringt er nicht nur die Qualifikation und Kenntnisse aus der Hochschule mit, sondern hat sich bereits fünf Jahre mit dem Unternehmen auseinander gesetzt. Er kennt die Organisation und viele Abläufe im Unternehmen. Daher wird er nach dem Studium weniger Zeit benötigen sich in eine Aufgabe einzuarbeiten. Außerdem wird er sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren können, als jemand von außen. Des Weiteren sind Elektroingenieure für ein Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen. Somit ist es sinnvoll potenzielle Ingenieure so früh wie möglich an sich zu binden.

Inwiefern haben Sie sich persönlich gerade durch das duale Studium weiterentwickelt?

Ich habe sicherlich gelernt etwas langfristiger zu denken, um in Phasen mit besonderer Belastung, z. B. Prüfungsphasen, einen guten Zeitplan zu haben. Auch die Fähigkeit erarbeitetes Wissen zu dokumentieren, konnte ich optimieren.

Wie geht es nach dem Studium für Sie weiter?

Das ist noch offen. Vermutlich werde ich bei TenneT bleiben. Das ist zumindest mein Wunsch.

Ein abschließendes Statement...?

Insgesamt kann ich jedem, der darüber nachdenkt eine Ingenieurwissenschaft zu studieren, ein duales Studium nur empfehlen. Es ist in diesem Bereich unbedingt erforderlich viel praktische Erfahrung zu sammeln. Umso früher man damit beginnt, desto besser.

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