Christian Pitteroff

(Bachelor of Engineering, Elektro- und Informationstechnik/Fachrichtung Energieversorgung, Ausbildungsende August 2020)

Wie ist dein dualer Studiengang aufgebaut?

Das duale Studium beginnt mit der sechsmonatigen Grundausbildung in der Ausbildungswerkstatt am Standort Lehrte. Anschließend wird man in den technischen Servicegruppen der Umspannwerks- und Automatisierungstechnik sowie des Leitungsbaus eingesetzt. Nach gut eineinhalb Jahren erfolgt der erste Teil der Abschlussprüfung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Zudem beginnt das sieben Semes-ter andauernde Studium der Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule Hannover. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet man in den Semesterferien im Ausbildungszentrum an anfallenden Projekten und bereitet sich auf den zweiten Teil der Abschlussprüfung vor. Nach dem Abschluss der Ausbildung nach drei Jahren erfolgen erste Einblicke in die Ingenieursabteilungen der TenneT. Beim letzten Studiense-mester handelt es sich um ein reines Praxissemester. In einer Fachabteilung wird hierbei die Praxispha-se des Studiums absolviert und die Bachelorarbeit verfasst.

Was ist das Besondere an deinem dualen Studium bei TenneT verglichen mit einem regulären Elektrotechnik-Studium?

Bei dem dualen Studium erlangt man bereits vor eigentlichem Studienbeginn einen Einblick in das be-triebliche Umfeld, in dem man später arbeiten wird. Vor allem in den vorlesungsfreien Zeiten nach dem Abschluss der Berufsausbildung wird durch die mehrwöchigen Einsätze in den Fachabteilungen dieser Eindruck vertieft. Das duale Studium ermöglicht zudem einen konkreten Praxisbezug der erlernten Fachthemen. So können beispielsweise Inhalte der Studienmodule Elektrische Netze, Energiewirtschaft sowie Schaltgeräte und -anlagen direkt im betrieblichen Umfeld nachvollzogen werden.

Welche theoretischen Ausbildungsinhalte hast du an der Berufsschule gelernt, und wie ist der Unterricht aufgebaut?

Der Berufsschulunterricht beginnt mit Grundlagen der Mathematik und der Berechnung einfacher elektri-scher Schaltungen. Des Weiteren werden elektrische Betriebsmittel, die Programmierung elektrischer Steuerungen und Themen wie Hausinstallations- und Gebäudetechnik betrachtet. Der Berufsschulunter-richt findet während der Ausbildungszeit blockweise für eine Woche im Monat an der bbs|me in Hanno-ver statt. Nach Beginn des Studiums findet der Unterricht wöchentlich an einem Nachmittag statt.

Welche theoretischen Inhalte hast du an der Hochschule Hannover gelernt, und wie ist dort das Lernklima?

Im Grundstudium, den ersten drei Semestern des Studiums, werden die für die Vertiefung benötigten Grundlagen vermittelt. Dabei handelt es sich beispielsweise um Mathematik, Physik, die Berechnung elektrischer Schaltungen bei Gleich- und Wechselspannung aber auch um Grundlagen der Werkstoff- und Halbleitertechnik. Ab dem vierten Semester beginnt das Hauptstudium, wobei die Themen entspre-chend der Vertiefungsrichtung "Energieversorgung" konkreter werden. Im Studium werden dabei unter anderem die Themen Leistungselektronik, elektrische Schaltanlagen, elektrische Netze aber auch ver-schiedene Betriebsmittel der Energietechnik, wie Generatoren und Leistungstransformatoren betrachtet. Zu den theoretischen Veranstaltungen gibt es meist in den Folgesemestern zugehörige Labore, in de-nen die theoretisch erlernten Inhalte praktisch angewandt werden können. In den Vorlesungen gehen die Professoren gerne auf die Fragen der Studenten ein. Bei umfangreicheren Fragen stehen die Do-zenten meist auch nach der Veranstaltung noch kurz zu Verfügung. An der Hochschule findet man auch binnen kurzer Zeit Lerngruppen mit denen das Studium und die Prüfungsvorbereitung leichter fallen.

Wie ist deine betriebliche Ausbildung bei TenneT gestaltet bzw. organisiert?

Die betriebliche Ausbildung beginnt mit dem Erlernen der Grundlagen in Metallbearbeitung, Verdrah-tungstechnik und Schaltungsbau. Nach Abschluss der Grundausbildung fertigt man zusammen mit den anderen Auszubildenden Schaltschränke für die Umspannwerke und wird im technischen Service einge-setzt. In den unterschiedlichen Servicegruppen erlangt man zum einen Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Umspannwerks- und Automatisierungstechnik sowie des Leitungsbaus, zum anderen aber auch einen Eindruck des betrieblichen Umfelds bei TenneT. Mit dem ersten Teil der Abschlussprüfung beginnt das Studium an der Hochschule Hannover. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet man in den Semesterferien im Ausbildungs-zentrum an anfallenden Projekten. Zudem erfolgt die Vorbereitung auf den zweiten Teil der Abschluss-prüfung. Nach Abschluss der Ausbildung beginnt die Arbeit in Ingenieursabteilungen, wobei bereits Eindrücke vom späteren Arbeitsumfeld gesammelt werden können. Im Zuge des Bachelorstudiums wird hier auch die Praxisphase absolviert und die Bachelorarbeit verfasst.

In welche Projektarbeiten warst du bisher bei TenneT eingebunden?

Bei TenneT erfolgt frühzeitig eine Einbindung in Projektarbeiten. So werden bereits nach sechs Mona-ten und Abschluss der Grundausbildung zusammen mit den anderen Auszubildenden Schaltschränke für Umspannwerke gebaut und verdrahtet. Mit dem Einsatz in Ingenieursabteilungen und der Praxis-phase des Studiums werden auch nach Abschluss der Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik Projektarbeiten durchgeführt. Da ich in einer Abteilung der Automatisierungstechnik eingeteilt war, durfte ich beispielsweise gewisse leittechnische Parameter von Feldleitgeräten überprüfen und zugehörige Pläne anpassen.

Welche Angebote bietet TenneT außerhalb des normalen Ausbildungsplanes?

Unter dem Jahr gibt es mehrfach Abteilungsveranstaltungen mit den Ausbildern und Auszubildenden des Standorts Lehrte. Im Sommer findet jährlich eine mehrtägige Azubi-Fahrt statt. Diese wird mit Ex-kursionen, beispielsweise zum Pumpspeicherkraftwerk Waldeck oder dem Walchenseekraftwerk, ver-bunden.

Was waren bisher die "Highlights" deiner Ausbildungs-/Studienzeit?

Bei TenneT wird einem früh Verantwortung übertragen. Man darf bereits nach der Grundausbildung mit dem Firmenwagen alleine in die Umspannwerke und zu den Standorten der Servicegruppen fahren. Diese befinden sich in den unterschiedlichsten Regionen Norddeutschlands, sodass sich viele Eindrü-cke von Landschaft und Technik, beispielsweise den 227 m hohen Strommasten der Elbkreuzung oder den Konverter- anlagen des Baltic Cable in der Nähe von Lübeck, sammeln lassen.

Welche Voraussetzungen sollte ein dualer Student mitbringen?

Allen voran sollte man Interesse an Elektrotechnik mitbringen. Aufgrund der gemeinsamen Arbeit an Projekten und Schaltungen zusammen mit den anderen Azubis ist es zudem wichtig teamfähig zu sein und einen guten Umgang mit Kollegen zu pflegen. Gerade im Studium ist des Weiteren wichtig selbst-ständig zu sein und sich eigenständig zu organisieren.

Welche Vorteile siehst du für TenneT duale Studiengänge anzubieten?

Mit Hilfe des dualen Studienkonzepts ist TenneT in der Lage eigene Ingenieure im Unternehmen zu integrieren und später die Einarbeitungszeit im Beruf zu verkürzen. Da man direkt ab dem ersten Ausbil-dungsjahr im technischen Service eingesetzt wird, lässt sich ein grundlegendes Verständnis vom Unter-nehmen gewinnen.

Inwiefern hast du dich persönlich gerade durch das duale Studium weiterentwickelt?

Nach dem Abitur bin ich direkt aus Oberfranken nach Hannover gezogen. Durch die Entfernung von meiner Heimat habe ich enorm an Selbstständigkeit gewonnen. Auf der Arbeit und in der Hochschule habe ich viele neue Kollegen und Kommilitonen kennengelernt und Freunde gefunden.

Wie geht es nach dem Studium für dich weiter?

Nach Abschluss des Studiums werde ich in Bayreuth als Projektingenieur in der Automatisierungstechnik arbeiten. Hierbei werde ich mit Projekten der Schutz-, Leit- und Nachrichtentechnik zu tun haben.

Ein abschließendes Statement...?

Das duale Studienkonzept bietet durch die Kombination aus Ausbildung und Studium die perfekte Mög-lichkeit Praxis und Theorie miteinander zu kombinieren und erleichtert durch die Arbeit im betrieblichen Umfeld den darauf folgenden Berufseinstieg. Als Oberfranke war es für mich ein großer Schritt 400 km aus der Heimat wegzuziehen. Aber die Erfahrungen, die ich hier persönlich gewonnen habe, waren sehr wertvoll. Ich würde mich jederzeit wieder genauso entscheiden!