Rosanna Russo über die Arbeit bei TenneT

Duales Studium | Betriebswirtschaft (Energiewirtschaft)

Wie ist Ihr dualer Studiengang aufgebaut?

Der duale Studiengang dauert insgesamt sechs Semester. Die ersten drei Semester dauern zwölf Wochen, ab dem 4. Semester verkürzen sich die Semester. So gibt es im sechsten Semester zum Beispiel sieben Wochen Veranstaltungen an der Hochschule, und in der achten Woche werden die Klausuren geschrieben. Da die Präsenzzeit an der Hochschule mit zwei bis drei Monaten im Vergleich zu einem regulären Studium relativ kurz ist, werden durch wissenschaftliche Hausarbeiten jedes Semester auch Leistungen in die Praxis-phasen verlegt. Dadurch wird der Workload des Studiums viel besser verteilt. Der inhaltliche Aufbau des Studiums ist sehr vielfältig. Neben den betriebswirtschaftlichen und den energiewirtschaftlichen Veranstal-tungen gibt es unter anderem auch volkswirtschaftliche, rechtliche oder englische Veranstaltungen. Die In-halte werden zum einen in klassischen Vorlesungen vermittelt, zum anderen gibt es aber auch Planspiele und das Projektstudium.

Was ist das Besondere an einem dualen Studium verglichen mit einem regulären BWL-Studium?

Für mich ist das Besondere an einem dualen Studium der offensichtliche Bezug zur Praxis. Im Verlauf des Studiums hat sich gezeigt, dass in Vorlesungen sehr konstruktive Diskussionen entstehen können, denn alle Studenten kommen mit den Erfahrungen aus ihren Betrieben in die Vorlesung. Da ist der Erfahrungsaus-tausch eine Bereicherung für wirklich alle. Wir können auch selber prüfen, wie die theoretischen Inhalte, die wir vermittelt bekommen, in der Praxis umgesetzt werden oder warum sie vielleicht nicht umgesetzt werden. Dadurch verfestigt sich das Wissen quasi von ganz alleine.

Welche theoretischen Inhalte lernen Sie an der Hochschule Weserbergland, und wie ist dort das Lernklima?

Natürlich ist das Studium von betriebswirtschaftlichen Veranstaltungen geprägt. Dazu gehören unter ande-rem internes und externes Rechnungswesen, Personalmanagement, Marketing, Vertrieb, Unternehmensführung oder Finanzierung. Vor allem im energiewirtschaftlichen Bereich ist der Praxisbezug sehr hoch. Wir hatten viele Dozenten, die uns neben den theoretischen Inhalten auch immer von ihren persönlichen Erfahrungen aus ihren Berufen berichten konnten. Es gelingt der Hochschule die doch sehr komplexe Systematik der Energiewirtschaft sehr gut zu vermitteln und aus den verschiedensten Perspektiven zu beleuchten. Auch die Rechtsvorlesungen sind sehr vielfältig und gut auf den restlichen Lehrplan abgestimmt. So hatten wir Wirtschaftsprivatrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht und Arbeitsrecht. Mir persönlich hat das Modul Wirtschaftsinformatik am wenigsten gefallen, weil mein Interesse dafür von Anfang an nicht besonders groß war. Das Thema ist aber für die heutige Arbeitswelt unumgänglich. Am besten haben mir persönlich die volkswirtschaftlichen Veranstaltungen Mikro- und Makroökonomie gefallen. Die Hochschule reagiert sehr flexibel auf aktuelle Anforderungen aus Praxis und Theorie; deswegen verändern sich die Lerninhalte von Jahrgang zu Jahrgang auch immer etwas. Das Lernklima an der Hochschule ist super. Die Studiengruppen sind klein, und die Dozenten unterstützen einen während der gesamten Studienzeit.

Wie sind die Praxiseinsätze bei TenneT gestaltet?

In den Praxiseinsätzen bei TenneT wird es nie langweilig. Im ersten Monat durchläuft man kurz die wesentli-chen technischen Abteilungen des Unternehmens, um das Geschäft von TenneT besser zu verstehen. In der ersten Hälfe der Ausbildungszeit werden dann die klassischen kaufmännischen Abteilungen durchlaufen: Personal, Einkauf und Rechnungswesen. Die zweite Hälfte der Ausbildungszeit wird in Abstimmung mit der Ausbildungsleitung viel individueller gestaltet. Man hat die Möglichkeit, je nach Interesse verschiedene Abtei-lungen zu durchlaufen. Die Einsätze sind alle so gestaltet, dass sie bestmöglich die Inhalte an der Hoch-schule unterstützen. Bei Recherchen oder Hausarbeiten habe ich von Kollegen immer viel Hilfe bekommen.

In welche Projektarbeiten waren Sie bisher bei TenneT eingebunden?

Man ist während der gesamten Ausbildungszeit in verschiedene Projekte mit eingebunden. Das Projekt "Power to the future" zum Beispiel ist ein Bewerbungstraining, das wir gemeinsam an einer Schule durchfüh-ren. Außerdem gibt es noch das Wirtschaftsplanspiel "BizzNet". Dort werden Unternehmensentscheidungen simuliert. Die Koordination und Durchführung liegt bei beiden Projekten bei den Azubis. Die Projekte sind manchmal standortübergreifend, andere sind lokaler und unterstützen Einrichtungen vor Ort.

Welche Angebote bietet TenneT außerhalb des normalen Ausbildungsplanes?

Man startet bei TenneT mit einer Einführungswoche in Goslar. Dort lernen sich alle Azubis und die Ausbilder kennen. Die Stimmung dort ist einfach toll, und man wächst zu einem richtigen Team zusammen. Nach zwei Jahren gibt es ein "Goslar-Revival". Dort wird dann die Ausbildung reflektiert und in die Zukunft geblickt. Gemeinsam mit anderen Azubis und Ausbildern können wir auch Schüler auf Ausbildungsmessen ihre Fra-gen zu unseren Berufsbildern und den Geschäftsfeldern beantworten. Alle sechs Wochen veranstalten die kaufmännischen Azubis eine Azubi-Besprechung in Würzburg. Dort tauschen wir uns über unsere Ausbildung aus, halten Präsentationen und trainieren unser Englisch. Wir haben während der Ausbildungszeit auch immer die Möglichkeit an Excel-Kursen teilzunehmen. Es besteht auch die Möglichkeit eine Praxisphase in der Unternehmensleitung in Arnheim zu absolvieren und dort gemeinsam mit den niederländischen Kollegen zusammen zu arbeiten.

Organisatorisch sind die dualen Studenten dem Team der kaufmännischen Auszubildenden zugeordnet. Welche Vorteile hat dies für Sie?

Man hat die Möglichkeit sich gemeinsam auszutauschen; davon profitieren wir alle. Wir sind ein richtiges Team und machen auch neben der Arbeitszeit etwas gemeinsam.

Was waren bisher die "Highlights" Ihrer Ausbildungs-/Studienzeit?

Das ist eine schwierige Frage. Ich hatte mehrere "Highlights" während meiner Ausbildung. Mein Einsatz in der Schaltleitung war zum Beispiel fachlich extrem interessant und hilfreich für das Studium. Wir waren auch einmal mit einem Stand beim Tag der offenen Tür des Kinderkrankenhauses auf der Bult in Hannover. Das war auch eine tolle Erfahrung und eine Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Welche Voraussetzungen sollte ein dualer Student mitbringen?

Ich glaube, die wichtigste Voraussetzung ist, dass man Interesse hat. Dann geht vieles von alleine. Man sollte aber auch bereit sein sich auf neue Situationen einzulassen. Am Anfang habe ich total unterschätzt, wie wichtig gute Kommunikation ist. Das hat man in der Schule in der Form leider gar nicht so gelernt. Letzt-endlich ist es natürlich auch wichtig, dass man ein gewisses fachliches Interesse für wirtschaftliche Zusam-menhänge und die Systematik der Energiewirtschaft in Deutschland mitbringt. Um den Workload zu bewälti-gen, sollte man auch ein gutes Selbstmanagement habe. Sollte das nicht vorhanden sein, dann kommt das im ersten Semester von ganz alleine.

Welche Vorteile sehen Sie für TenneT duale Studiengänge anzubieten?

Wir Studenten bringen durch den Wechsel von Theorie und Praxis einen anderen Blick auf Sachverhalte mit und hinterfragen Themen auch mal aus einer theoretischen Perspektive. Ich bin davon überzeugt, dass die Vorteile für beide Seiten groß sind.

Inwiefern haben Sie sich persönlich gerade durch das duale Studium weiterentwickelt?

Ich dachte immer, ich sei gut organisiert. Durch das duale Studium habe ich jedoch lernen müssen, was wirklich gute Organisation bedeutet. Ich habe auch gelernt, wie die Kommunikation in der Arbeitswelt abläuft - es ist ein großer Unterschied zur Schulzeit.

Ein abschließendes Statement...?

Die gesamte Ausbildungszeit war voller guter Erfahrungen, auch wenn man in manchen Fällen erst im Nachhinein den Mehrwert mancher Situationen erkannt hat. Das duale Studium wird von TenneT sehr gut mit der Hochschule abgestimmt. Bei TenneT hat man einfach die Möglichkeit gut in die Arbeitswelt zu starten!